Harsefeld, 2. September 2025. Die Tischler-Innung Stade sprach im Rathaus der Samtgemeinde Harsefeld 15 Gesellinnen und
Gesellen feierlich frei. Zwischen gespannter Erwartung und stolzem Applaus wurden Gesellenbriefe überreicht, Jahrgangsbeste geehrt und die schönsten Gesellenstücke im Wettbewerb „Die Gute Form“
prämiert.
„Sie haben durchgehalten und viel gelernt – und dabei Kunstwerke geschaffen, die funktional und wunderschön zugleich sind“, lobte Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück. Lehrlingswart Rudolf Mundt
betonte: „Dieser Tag ist euer Tag – der Tag berechtigter Freude über euren Erfolg.“
Gesellenstücke zum Staunen – Ausstellung bis 18. September
Wer die Feier verpasst hat, bekommt noch eine besondere Gelegenheit: Die Gesellenstücke 2025 bleiben bis zum 18. September im Harsefelder Rathaus ausgestellt. Besucher:innen können die Möbel zu den Öffnungszeiten des Rathauses bewundern: Ob Fahrradhalter, Schreibtisch mit LED-Steuerung oder Kleinmöbel mit raffinierten Details – die Ausstellung zeigt, wie vielfältig und ideenreich das Tischlerhandwerk ist.
„Handwerk ist Berufung“ – Dirk Holthusen gibt den Takt vor
Da Obermeister Jörg Klintworth krankheitsbedingt fehlte, übernahm Dirk Holthusen die Begrüßung. Er richtete den Dank an Ausbildungsbetriebe, Lehrkräfte, die Prüfungskommission und nicht zuletzt an die Eltern.
„Ihr habt einen selbst gewählten Weg eingeschlagen – und ihn mit Bravour gemeistert. Handwerk ist kein Beruf von gestern, sondern eine Berufung für morgen“, so Holthusen. Besonders eindringlich bat er die Absolvent:innen, ihren Dank nicht nur digital, sondern persönlich auszusprechen: „Geht zu den Menschen, die euch geprägt haben, schaut ihnen in die Augen und sagt Danke. Genau wie das Handwerk, das lebt vom direkten Kontakt.“
Holthusen griff außerdem die Ergebnisse einer anonymen Umfrage unter den Prüflingen auf. Besonders eine Antwort rührte ihn: Unter der Rubrik „Qualifikation des Ausbilders“ schrieb jemand schlicht „Ein toller Mensch“. „Das zeigt, worauf es im Kern ankommt – nicht nur auf Fachwissen, sondern auf Menschlichkeit und Vorbildsein“, betonte er.
Mit Nachdruck erinnerte Holthusen daran, dass der Gesellenbrief kein Endpunkt ist: „Unser Wissen veraltet schneller denn je. Ihr werdet nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn ihr bereit seid, euch ständig weiterzubilden. Bitte versteht das Handwerk nicht nur als Job – sondern als Leidenschaft, vielleicht sogar als Teil eures Charakters.“
„Dieser Tag ist euer Tag“ – Rudolf Mundt rührt an Herz und Stolz
Lehrlingswart Rudolf Mundt schlug einen sehr persönlichen Ton an. Er blickte auf die Ausbildungszeit zurück – geprägt von Corona, Ukraine-Krieg und explodierenden Baupreisen. „Und doch habt ihr durchgehalten“, sagte er. „Ihr habt mit eurem Gesellenstück gezeigt, dass ihr das Handwerk beherrscht – und damit Geschichte in Holz geschrieben.“
Besonders lag ihm am Herzen, den jungen Handwerker:innen die Bedeutung des Engagements mitzugeben: „Ob in der Innung, bei der Feuerwehr oder im Sport – Ehrenamt ist das Fundament unserer Gemeinschaft.“ Nach 15 Jahren Prüfertätigkeit kündigte er seinen eigenen Rückzug an und richtete den Blick nach vorn: „Es ist Zeit, die Staffel weiterzugeben – an euch, die nächste Generation.“
Holz bringt Leben und Wärme“ – Bürgermeisterin Ute Kück
Die Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück zeigte sich begeistert von den ausgestellten Gesellenstücken im Rathaus. „Viele haben gefragt: Kann man die kaufen? Das zeigt, welchen besonderen Charakter sie haben.“ Mit einem Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach erinnerte sie: „Im Entwurf zeigt sich das Talent, in der Ausführung die Kunst.“
Kück betonte, wie wertvoll Handwerk sei, gerade in Zeiten von Digitalisierung und KI: „Maschinen können vieles, aber sie können kein Holz mit Leben füllen. Ein Tischler oder eine Tischlerin bringt Leben und Wärme in jedes Stück Holz.“
Stimmen aus der Klasse – Humor, Dank und Ausblick
Die Absolvent:innen selbst ließen es sich nicht nehmen, ihre Sicht auf drei Jahre Ausbildung zu teilen. Klassensprecher Raja Sinno blickte mit spitzer Zunge zurück: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre – diesen Satz kennen wir alle. Aber wir haben es geschafft, auch wenn wir manchmal über den Sinn des ganzen Stoffes diskutiert haben.“
Im zweiten Teil ergriff Moritz Bach das Wort und richtete herzliche Dankesworte an Ausbilder, Lehrkräfte und Eltern. Er erinnerte an die Erasmus-Erfahrungen in Finnland, der Schweiz und Frankreich: „Wir haben mehr gelernt als den Umgang mit Hobel, Säge und CAD. Wir haben gelernt, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und über uns hinauszuwachsen.“
Ehrungen – die Jahrgangsbesten 2025
Die Innung zeichnete die besten Prüfungsergebnisse aus:
- Moritz Bach – 89,5 %, L & K Tischlerei, Harsefeld
- Gero Garz – 87,2 %, Tischlerei Schütt, Grünendeich
- Paul Brandenburg – 85,0 %, Tischlerei Ricardo Schmorl, Hollern
- Hanno Oldach – 84,0 %, Tischlerei Sieg, Buxtehude
„Die Gute Form“ – Gesellenstücke, die Geschichten erzählen Jury Mitglieder:
Bastian Renck, Inhaber Gelis Boutique Harsefeld & Eventlocation & Catering Kastanienhof Deinste, Sarah Klintworth, Kauffrau für Bürokommunikation, Krematorium Stade, Ute Böhning, Innendienst bei der Generalagentur Signal Iduna Thomas Becker Stade, Dirk Böhning, Raumausstatter bei Christiansen Wohnen GmbH Buxtehude, (auf dem Foto fehlt: Frau Wogawa, Vorzimmersekretariat Samtgemeindebürgermeisterin Ute Kück)
Ein Höhepunkt war die Prämierung im Wettbewerb „Die Gute Form 2025“. Hier bewertete eine fachfremde Jury die Gesellenstücke aus der Sicht ganz normaler Nutzer:innen.
„Für mich als handwerklich talentfreier Menschen ist das faszinierend, was die jungen Leute hier im dritten Lehrjahr schaffen“, staunte Bastian Renck. Sarah Klintworth ergänzte: „Total wertvoll – Handwerk und Holz, wow! Die jungen Leute können voll stolz auf sich sein.“
Dirk Böhning hob den gestalterischen Anspruch hervor: „Das Tischlerhandwerk hat viel mit Design zu tun – mit Form, mit Naturwerkstoffen. Das macht es so besonders.“ Und Ute Böhning verliebte sich in ein kleines Möbelstück: „Holz ist ein wunderbares Material – Natur pur, selbst wenn es verarbeitet ist.
Die Vielfalt der Stücke beeindruckte: ein Fahrradhalter, der Design und Funktion clever verband, ein Tisch mit Schublade und Ladefunktion, ein Schreibtisch mit feiner Lichtführung – und schließlich das Siegerstück von Moritz Gombert, das mit unsichtbarer LED-Technik auf Handbewegung reagierte.
Die „Gute Form“ ist ein bundesweit etablierter Wettbewerb des Tischlerhandwerks, der zunächst auf Innungsebene ausgetragen wird. Aus jedem Jahrgang werden die besten Stücke ausgewählt, die durch gestalterische Qualität, Funktionalität und handwerkliche Präzision überzeugen. Die zwei Siegerstücke treten anschließend beim Landeswettbewerb in Hannover an – und von dort haben die Besten sogar die Chance, es bis zum Bundesentscheid zu schaffen. Für die jungen Tischler:innen ist das eine besondere Bühne, um ihr Können auch über die Region hinaus sichtbar zu machen.
Die Platzierungen in der „Guten Form“ 2025
1. Moritz Gombert (Tischlerei Christian Schmetjen, Bargstedt) – sein Schreibtisch überzeugte die Jury durch eine klare Formensprache und ein überraschendes Detail: eine unsichtbar integrierte LED-Beleuchtung, die auf Handbewegungen reagiert. Ein Stück, das Design, Funktion und moderne Technik raffiniert verbindet.
2. Moritz Bach (L & K Tischlerei, Harsefeld) – mit seinem Fahrradhalter bewies er, dass auch Alltagsgegenstände gestalterisch glänzen können. Reduziert, elegant und zugleich funktional machte er aus einem Gebrauchsgegenstand ein Designobjekt.
3. Paul Brandenburg (Tischlerei Ricardo Schmorl, Hollern) – sein Beistelltisch lebte von harmonischen Proportionen und einer clever integrierten Ladefunktion. Ein Möbel, das mit Leichtigkeit und feinen Details punktete.
4. Hanno Oldach (Tischlerei Sieg, Buxtehude) – präsentierte ein Sideboard, das durch seine ausgewogenen Linien, den bewussten Materialeinsatz und eine zeitlose Gestaltung überzeugte.
5. Gero Garz (Tischlerei Schütt, Grünendeich) – setzte auf Massivholz und gab seinem Stück eine starke, ursprüngliche Anmutung. Authentisch, individuell und mit markanter Ausstrahlung verkörperte es handwerkliche Ehrlichkeit.
6. Janek Brünjes (Tischlerei Ricardo Schmorl, Hollern) – sein Kleinmöbel bestach durch Schlichtheit und Alltagstauglichkeit, präzise umgesetzt und in seiner Reduktion besonders funktional.
Portraits – drei Gesichter einer starken Generation
„Es ist eigentlich kein Auftrag wie der andere“ – Gero Garz – 2. Innungsbester
Für Gero Garz (21, Tischlerei Schütt, Grünendeich) stand früh fest: Handwerk ist seine Zukunft. Mit Vater als Dachdecker und
Schwester als Zimmerin war der Weg vorgezeichnet. „Es ist eigentlich kein Auftrag wie der andere“, sagt er – das Abwechslungsreiche reizt ihn am meisten. Seine Leidenschaft gilt dem
Massivholzmöbelbau: „Leider wird das heute immer weniger mit Massivholzmöbel – aber für mich ist es das Schönste.“
Gero bleibt zunächst im Ausbildungsbetrieb, will Erfahrungen sammeln und dann den Meister machen. „Irgendwann möchte ich mich vielleicht selbstständig machen und dann das mit dem Massicholz
fokussieren.“
„Präzise, beständig, naturverbunden“ – Moritz Bach – 1. Innungsbester und 2. Die Gute Form
Moritz Bach (23, Buxtehude, L & K Tischlerei, Harsefeld) ist Innungsbester 2025 und belegte zusätzlich den 2. Platz bei
„Die Gute Form“. Sein Weg ins Handwerk führte über ein Abitur in Buxtehude und ein Praktikum bei einer Filmagentur. „Ich habe gemerkt: Hobby zum Beruf ist nicht immer ideal. Aber im Handwerk habe
ich gefunden, was mich erfüllt.“
Er beschreibt sein Handwerk mit drei Worten: „Präzise, beständig, naturverbunden.“ Besonders begeistert ihn die Planung und Konzeption – „das ist der Grundstein für jede Arbeit“. Direkt nach der
Freisprechung zieht er nach Bayern, um an der TH Rosenheim Innenausbau zu studieren. „Ich will Gas geben. Ich will das machen, was mir Spaß macht.“
„Technik trifft Kreativität“ – Moritz Gombert – Gewinner „Die Gute Form
Moritz Gombert (22, Bargstedt, Tischlerei Christian Schmetjen GmbH) entdeckte seine Liebe zum Holz nach einem Abstecher in die
Metallbearbeitung. „Metall ist härter, Holz lebt – das fasziniert mich.“ Mit einem raffinierten Gesellenstück, in das er Touch-Technik integrierte, gewann er den Wettbewerb „Die Gute Form“
2025.
„Viel wird heute maschinell gefertigt, aber die Idee, etwas Besonderes zu entwickeln, treibt mich an“, sagt Gombert. Neben der Werkstatt interessiert ihn auch die digitale Welt –
Spieleentwicklung hat es ihm besonders angetan. Was er zur offline Welt seines Berufes sagt?: „Tische finde ich am spannendsten – sie sind Mittelpunkt des Lebensraums.“
„Holz bleibt lebendig“ – Jörg Elfers erhebt die neuen Gesellen
Ein feierlicher Höhepunkt war die traditionelle Erhebung in den Gesellenstand durch Altgeselle Jörg Elfers. Mit sichtbarer Freude und spürbarer Erfahrung aus über 42 Jahren im Beruf wandte er sich an die jungen Handwerker:innen. Er erinnerte daran, wie eng im Tischlerhandwerk Generationen miteinander verbunden sind – und wie wichtig es ist, dass erfahrene Meister ihr Wissen weitergeben. „Vielleicht sehen wir uns wieder – als Ausbilder, als Altgeselle oder einfach als Kollegen“, sagte er.
Dann bat er die Absolvent:innen, sich zu erheben, und sprach den Satz, der für viele unvergesslich bleiben dürfte: „Holz bleibt immer lebendig – es wächst, arbeitet und altert wie wir Menschen.“ Damit verband er den Werkstoff, mit dem alle hier ihr Können unter Beweis gestellt hatten, mit dem eigenen Lebensweg. Ein Moment, der die Tiefe und Würde der Freisprechung spürbar machte.
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Für die Presse – Quelle: www.moin-handwerk.de








































































